Freitag, 24. Februar 2012

"Alessandro" 22.2.12 Händelfestspiele Badisches Staatstheater

Nicht ohne Grund wurde im Programmheft und in Kritiken darauf hingewiesen, dass Händel die vielen Arien der Oper "Alessandro" für den Kastraten Senesino und die beiden damals sehr angesagten Sopranistinnen Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni entsprechend ihrer gesanglichen und darstellerischen Möglichkeiten schrieb. Durch die Mitwirkung dieser "Stars" wurde "Alessandro" ein großer Erfolg, trotz der fehlenden Handlung, denn weder die Damen noch der Herr wollten ihre jeweilige Rolle durch ein dramatisches Fortschreiten der Erzählung beschnitten sehen.

Das zeigt, dass sich am Publikumsverhalten in den letzten Jahrhunderten nicht wirklich viel verändert hat. 
Denn würden heute Jonas Kaufmann, Angela Gheorghiu und Anna Netrebko in einer Oper gemeinsam auftreten, das Haus wäre für jede Vorstellung restlos ausverkauft, auch wenn sie aus dem Telefonbuch vorsingen würden!

Nun sind aber heute keine großen Stars in Karlsruhe am Werk, sondern solide Sänger, die ihre Arien stimmlich schön und ordentlich dem Publikum präsentieren. 

Was fehlt? Richtig: die Handlung, die Oper tritt auf der Stelle, da zwei Damen um die Gunst des Helden konkurrieren, und - wie oben begründet - das über eine seeehr lange Zeit (Dauer der Aufführung: 4 1/2 Stunden).
Was fehlt noch? Der große musikalische Wurf
Die zahlreichen Arien sind zwar virtuos ausgeschmückt, an hübschen Ideen fehlt es nicht (z.Bsp. das Duett mit der Blockflöte), aber anders als in den heute noch sehr beliebten Opern Händels (Rinaldo, Xerxes, Julius Cäsar, Semele......) bleibt keine der Melodien haften.
(Wobei der eigentliche Star der Aufführung eindeutig das Orchester war, die Deutschen Händel-Solisten unter der Leitung von Michael Form spielten schon die Ouvertüre akzentuiert und temperamentvoll. Sogleich war mir klar: hier wird mit mehr Verve musiziert als auf der mir vorliegenden CD-Einspielung der Oper. Zu bewundern war auch die Sportlichkeit, mit der Michael Form dirigierte, angesichts der Dauer der Aufführung ein Zeichen von guter Kondition.)
Was fehlt noch? Die Inszenierung
Warum übernimmt ein Regiesseur (Alexander Fahima) die Inszenierung, wenn ihm zum Stück nichts einfällt?

Unter der Bühne sichtbar ein Terrarium, links gefüllt mit großen Kieselsteinen (jeder einzelne ein von Hand bemalter Styropor-Rohling! Was für ein Aufwand!!), rechts Äste und Zweige, in der Mitte gefüllt mit Blut aus den Schlachten. Die Bühne zu 1/3 abgeteilt durch eine Blutrinne im Boden. Der Rest Sperrholzwandteile. Das war´s. An der Ausstattung wurde mal wieder ordentlich gespart. Wird das zum Markenzeichen der Ära Spuhler?
Das szenische Highlight im ersten Akt: Alessandro kämpft seine Schlacht gegen eine Projektion von King-Kong, Gozilla, Tarantula und Co.  
Im zweiten Akt: auf einen durchsichtigen Vorhang werden Säulen und/oder Namen der auftretenden Akteure projeziert. Vier Tänzer gesellen sich zu den Sängern, schwarz gekleidet vor schwarzen Hintergrund!
Im dritten Akt: die beiden Damen im Schnee.

Die Personenregie hatte leider auch nicht viel zu bieten. 
Die eine Dame, mädchenhaft, hüpfend und Röckchen-schwingend, die andere Dame als Domina mit Peitsche. So boten Yetzabel Arias Fernandez (Rossane) und Raffaella Milanesi (Lisaura) zwar hervorragenden Gesang, doch darstellerisch kamen sie über Stereotype nicht hinaus. Auch Lawrence Zazzo als Alessandro blieb wohl nichts anderes übrig, als eine etwas schmierige Karikatur des Herrschers und Mannes zwischen zwei Frauen zu zeichnen. Gesanglich blieb er seinen Arien nichts schuldig, führte seine Stimme mit Leichtigkeit durch die Koloraturen, konnte aber trotzdem nicht nachdrücklich beeindrucken. Hier blieb der Tassile von Martin Oro mehr im Gehör, der jedoch szenisch dazu verdammt schien, sich nur jenseits der Blutrinne aufhalten zu dürfen.

Etwas Auflockerung entstand durch die Auftritte der drei mazedonischen Fürsten Clito, Leonato und Cleone (lAndrew Finden, Sebastian Kohlhepp und Rebecca Raffell). 
Hier kam mit Tanz und Steckenpferd auch die Ironie ins Spiel, die diesem endlosen Getue um Liebe und Eifersucht gut gestanden hätte. 
Die drei Sänger waren mit sichtbarer Freude dabei, was sich auch aufs Publikum übertrug - spontan kam es hier zum stärksten Szenenapplaus. 
Auch gesanglich ließ die Leistung dieser Ensemblemitglieder aufhorchen: 
der schön und ausdrucksvoll geführte Bariton von Andrew Finden
der klare, bewegliche Tenor von Sebastian Kohlhepp, von dem wir hoffentlich in Zukunft mehr hören werden, und der ausdrucksvoll Alt der jungen Sängerin Rebecca Raffell, (ich hielt sie zunächst für einen weiteren Countertenor) deren Spielfreude hier nochmal besonders erwähnt werden soll, deren furiose Arie im 3. Akt nachhaltigen Eindruck machte.


Die Länge der Oper plus weitestgehend langweilige Regie plus fehlende musikalische Höhepunkte führte dann wohl auch dazu, dass sich nach der zweiten Pause die Reihen in Parkett und Balkon sichtbar lichteten. Der Applaus nach den Arien der Hauptdarsteller fiel maximal höflich aus.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
edda hat gesagt…

Scheint, Sie waren für diese Aufführung mitverantwortlich. Dann sollten Sie auch Kritik vertragen können. Unverschämtheiten lasse ich hier nicht stehen.