Sonntag, 2. Mai 2010

Armida in HD

Von dem gestrigen Kinoabend hatte ich mir in erster Linie Entspannung und angenehme Unterhaltung auf höchstem Niveau erhofft, und ich wurde in beiderlei Hinsicht zufrieden gestellt.

Wie sich das so gehört, wollte ich mich im Vorfeld mit der Handlung der Oper vertraut machen. Ich gab es aber schon bald auf, mich in dieser verquasten Story um Kreuzritter und eine Zauberin zurechtfinden zu wollen und verließ mich auf die Untertitel und meine Kenntnis der Namen der Hauptpersonen (dank Händels „Rinaldo“).

Also rein optischer und akustischer Genuss, ohne intellektuelle Anstrengung. Schön.

Rossini verlangt in dieser Oper geradezu ein Großaufgebot an lyrischen Tenören (ich habe sechs Rollen gezählt), was selbst ein Haus wie die Met vor ein nicht leicht zu lösendes Problem stellt.

John Osborn durfte den Reigen eröffnen als Goffredo, der „Radames“ dieser Oper, sprich: Oper beginnt mit Tenorauftritt, der schwierige Arie mit hohen Tönen abliefern muss. Eine Aufgabe, die der Sänger tadellos, wenn auch mit sichtbarer Anstrengung bewältigte.

Nachdem der Sänger des Gernando ausgefallen war, bot die Met als Einspringer Barry Banks auf. Ich hatte von diesem Sänger im Netz schon viel Positives gehört, ihn selbst jedoch noch nie. Wow, was für eine freudige Überraschung. Sichere Koloraturen, kristallklare, lyrische Stimme, schauspielerisches Talent.
Wie Banks als sich benachteiligt fühlender Gernando wie ein giftiger Rumpelstilz über die Bühne fegte, war beeindruckend und für mich DIE Entdeckung des Abends (komisch, immer diejenigen, die ich gar nicht auf der Rechnung hatte, bleiben mir schließlich am meisten im Gedächtnis).
Als Gernando bereits im ersten Akt von Rinaldo niedergestreckt wird, habe ich das aufrichtig bedauert. Wie schön, dass Banks gestern mit zwei Rollen betraut worden war und im 3. Akt als Carlo wieder auftrat, als Teil des wunderschönen Tenorterzetts - das eine liebe Seele aufgenommen und uns zur Verfügung gestellt hat:




Kobie van Rensburg hatte im 3. Akt als Ubaldo einen sehr schwachen Start, das war hörbar der HD-Nervosität zuzuschreiben (wenn ich da stehen würde, ich wüsste nicht mal mehr meinen Namen!), konnte sich dann aber in Form singen und bot wunderbar leise Töne im Terzett.

Lawrence Brownlee also Rinaldo, der „Liebhaber“ des Abends: fantastisch schöne Stimme, fast schon samtiges Timbre! Renee Fleming hatte Recht, als sie im Pauseninterview sagt: „He makes it look easy.“ Ihm ist tatsächlich keinerlei Anstrengung anzusehen, weder bei halsbrecherischen Koloraturen noch bei den hohen Tönen. Und abgenommen hat er!!! Das konnte man aber erst im letzten Akt richtig sehen, als der Uniformmantel offen stand.

Überhaupt, die Kostüme (Richard Hudson, auch Bühnenbild)! So schön und kleidsam für die Hauptrolle, fantasievoll für Armidas Zaubergeschöpfe, aber eintönig-einfallslos für die Herren, und vermutlich viel zu warm. Bodenlange, hochgeschlossene Mäntel – du liebe Zeit, die Männer leisten körperliche Arbeit, macht es ihnen doch nicht so unnötig schwer!

Das Bühnenbild, ein Halbrund mit ausgesparten Bögen, war angenehm schlicht und zweckmäßig für Auf- und Abtritte und die lange, sehr unterhaltsame Ballettszene im 2. Akt (Choreographie: Graciela Daniele). Irritierend, dass sich der Primo Uomo mehr für Äpfel als für Mädchen zu interessieren scheint….

Schräg waren allerdings die übergroßen Plastik-Insekten in Armidas Zaubergarten, und als störend empfand ich den Auftritt des Hass-Skorpion-Tänzers während Gernandos Arie (ich finde grundsätzlich immer alles störend, was während einer Arie vom Sänger ablenkt – er hat in diesem Moment unsere Aufmerksamkeit verdient!).
Aber ganz besonders reizend war die kleine, pfiffige Amor-Tänzerin, die durch ihre selbstbewussten Auftritte schon fast zu einer der Hauptpersonen wurde.

Verblüfft war ich über den sehr gut singenden, gelenkigen Ballettherren im Teufelskostüm, bis wir von Deborah Voigt im Pausengespräch über die wahre Identität aufgeklärt wurden: durch Kostüm und Maske komplett unkenntlich gemacht: Keith Miller, der männliche Yul-Brunner-Typ aus „Carmen“ (dessen Sprechstimme noch erheblich tiefer ist als seine Singstimme).

Und die Hauptperson? Schön und stimmschön wie immer Renee Fleming. Bei mir blieben keine Wünsche bezüglich des Gesangs offen. Die Kritiken nach der Premiere waren nicht so toll gewesen, aber gestern gab es nichts zu kritisieren, das war Belcanto at it´s best! Einzig die Chemie zwischen den Liebenden, die war nun gar nicht da, war aber auch nicht so schlimm (ist ja nicht Verismo).

Und mein Lieblingsthema, die Kameraführung?

Was soll ich sagen…
man konnte die Reisverschlüsse an Armidas Ärmeln sehen,
das Kleid war am Rücken mit Klettverschlüssen versehen,
die Schneiderin sollte besser arbeiten, denn am Rock war zwischen Reisverschluss und Bund ein Loch, man konnte bis auf die Haut sehen…

Wollte der Kameramann den Zoom der Kamera austesten??

1 Kommentar:

Klaus hat gesagt…

http://u1amo01.de/blog/archives/1308-Armida.html